21.03.2025 - 20:32 Uhr
Franz Fischer
Nr. 8926
289

Verkehrsministerium besteht auf Vollsperrung

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(Hochdorf) - Trotz Kritik setzt das baden-württembergische Verkehrsministerium auf eine Vollsperrung der B 30 für den Neubau von zwei Großbrücken bei Hochdorf. Entgegen Bedenken von Anwohnern und der Industrie wird eine 18- bis 21-monatige Vollsperrung durchgeführt. Diese Entscheidung gab das Ministerium am Freitag in Hochdorf bekannt.

Ministerium verteidigt Vollsperrung
Eine Vollsperrung sei für viele Menschen in der Region nicht das gewünschte Ergebnis, so das Verkehrsministerium. Ziel sei es, die zeit- und kostengünstigste sowie die für die Natur umweltverträglichste Variante umzusetzen. Diese Maßnahme soll die Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden gewährleisten.

Brücken sind dringend sanierungsbedürftig
Die Brücken an der Bundesstraße 30 seien dringend sanierungsbedürftig. Berechnungen und Gutachten ergaben, dass eine Sanierung aufgrund der Bauweise und vorhandenen Schäden nicht mehr ausreichend ist. Die Brücken werden deshalb neu gebaut. Die Großbrücke über die Riß, mit einer Länge von 255 Metern, gehört zu jenen Bauwerken, in denen rissgefährdete Spannstähle verbaut wurden - eine Bauweise, die auch zum Einsturz der Carola-Brücke in Dresden geführt hatte, so das Verkehrsministerium. In Baden-Württemberg betrifft dies 73 Brücken. Die Großbrücke über die Bahnlinie, mit einer Länge von 175 Metern, ist ebenfalls dringend erneuerungsbedürftig.

Wirtschaftlichste Lösung
Mehrere Alternativen wurden laut Ministerium geprüft, aber die Vollsperrung habe sich als wirtschaftlichste Lösung erwiesen. Die Baukosten betragen demnach 38 Millionen Euro, 10 bis 20 Millionen Euro weniger als alternative Varianten. Der Amtschef des Verkehrsministeriums, Ministerialdirektor Berthold Frieß, betonte, dass kein Brückenersatzbau so intensiv diskutiert und geprüft worden sei wie in Hochdorf. Ein umfassender Dialog und die Prüfung der Varianten führten zur Entscheidung für die Vollsperrung, um eine schnelle und sichere Umsetzung zu garantieren.

Gemeinde fühlt sich nicht ausreichend beteiligt
Bürgermeister Stefan Jäckle (parteilos) kritisierte zu Beginn der Veranstaltung das Verkehrsministerium. Er fühlt sich und seine Gemeinde im Entscheidungsprozess nicht ausreichend berücksichtigt. Es habe keinen regelmäßigen Kontakt seitens des Ministeriums gegeben, Anfragen seien abgewiesen worden. Das Vorhaben finde er nach wie vor nicht durchdacht genug. Gegenüber Amtschef Frieß sagte er: „Sie fahren nachher zurück nach Stuttgart, wir müssen mit den Maßnahmen leben.“

Verkehrslenkung während der Bauzeit
Die Bauarbeiten sollen nun 2028 beginnen. Währenddessen muss die B 30 bei Hochdorf in beide Richtungen mindestens 18 Monate lang voll gesperrt werden. Der Verkehr soll großräumig verlagert und zusätzlich über die Ortschaften Hochdorf, Ingoldingen und Schweinhausen umgeleitet werden. Laut Berechnungen ist in diesen Bereichen mit einer Zunahme von rund 5.000 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag zu rechnen. Konkret sei im Bereich Hochdorf und Schweinhausen eine Verkehrszunahme von rund 5.300 bis 5.900 Kfz/24h und im Bereich Ingoldingen eine Verkehrszunahme von rund 4.800 Kfz/24h prognostiziert. Durch Verlagerungseffekte würden  rund 6.800 Kfz/24h weiträumig auf alternative Routen verdrängt. Zusätzliche Maßnahmen wie Tempolimits und Ampeln würden geplant, um die Belastungen zu reduzieren, heißt es.
 

Rettungszeiten und Bahnübergang
Die Einhaltung der Rettungszeiten hat laut Ministerium höchste Priorität. Das Land prüfe noch, wie die vorgeschriebenen Zeiten eingehalten werden können. Auch für den beschrankten Bahnübergang bei Schweinhausen werde das Land mit der Deutschen Bahn Lösungen suchen, um Staus zu vermeiden.

Kein Planfeststellungsverfahren notwendig
Ein Planfeststellungsverfahren sei nicht nötig, was einen Zeitgewinn bedeute. Dennoch würden alle Umwelt- und Naturschutzvorschriften eingehalten, und zusätzliche Genehmigungen bei Bedarf eingeholt.

IHK warnt vor wirtschaftlichen Folgen
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ulm kritisierte die geplante Vollsperrung der B 30 und die damit verbundene Umleitung über angrenzende Ortschaften. Laut IHK könnte dies zu einem wirtschaftlichen Schaden von mindestens 15 Millionen Euro führen. Die IHK plädierte daher für eine Bauweise, die den Verkehr möglichst wenig beeinträchtigt. Alternativen mit geringeren Auswirkungen auf Wirtschaft und Umwelt seien im Prozess mehrfach vorgestellt worden.


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