23.02.2023 - 22:29 Uhr
Franz Fischer
Nr. 8124
519

Ministerium: Brückenneubau nur ohne B 30-Ausbau

(Hochdorf) - Der Biberacher Landtagsabgeordnete Thomas Dörflinger stellte im Landtag eine kleine Anfrage zum Stand der Planungen des Neubaus der beiden B 30-Großbrücken bei Hochdorf. Außerdem ist es ihm gelungen, den Amtsleiter des Verkehrsministeriums in Stuttgart zu überzeugen, sich Anfang Mai  ein Bild vor Ort zu machen.

Wie das Ministerium für Verkehr antwortet, bestehe im Land eine große Anzahl an zu erneuernden Brücken. Standardmäßig würden die Straßen gesperrt, die alten Brücken abgerissen und dann neu gebaut. Dazu müsse der Verkehr während dieses Zeitraums umgeleitet werden.

„Wir haben bei den Brücken einen großen Sanierungsstau und daher wählt das Land in der Regel das günstigste Verfahren, damit mit dem vorhandenen Geld möglichst viele Projekte umgesetzt werden können“, erklärt Dörflinger.


Verkehrsführung noch unklar
Das Ministerium weist darauf hin, dass die Planung des Neubaus der beiden Großbrücken noch ganz am Anfang stehe. Wie das Bauverfahren ablaufe und wie die Verkehrsführung verlaufe, sei noch nicht festgelegt. Es habe aber eine erste Anhörung gegeben. Das Regierungspräsidium Tübingen prüfe derzeit die Stellungnahmen der Bürgermeister, des Landratsamtes Biberach und der Polizei.


Brückeneinschub zu teuer
Den Vorschlag der Gemeinde Hochdorf beide Brücken an Ort und Stelle neben den alten Brücken zu bauen, dann die alten abzubrechen und die neuen einzuschieben bewertet das Verkehrsministerium als zu teuer. Es sei mit einer längeren Bau- und Planungszeit sowie höheren Kosten zu rechnen.


Kombination mit Ortsumfahrung Degernau wird abgelehnt
Dörflinger fragte an, ob es nicht von Vorteil sei, den Brückenneubau mit dem Bau der Ortsumfahrung von Ingoldingen und Degernau zu verknüpfen. Das Verkehrsministerium lehnt diese Idee ab. Es handele sich um zwei Projekte mit ganz unterschiedlichen Zielen. Bei einer Kombination sei mit Verzögerungen zu rechnen.


B 30-Ausbau wird abgelehnt
Bei der Frage, ob es sinnvoll sei, die gesamte Strecke zwischen dem Jordanbad bis nach Hochdorf zweibahnig auszubauen zeigt sich das von den Grünen geführte Ministerium abgeneigt. Laut Thomas Dörflinger ist die Baumaßnahme im Bundesverkehrswegeplan als „vordringlich“ eingestuft. Infolgedessen wäre es nur logisch, auch den B 30–Abschnitt, der über die Brücken führt, auszubauen. Das Verkehrsministerium widerspricht dem. Der Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen von 2016 sehe nur nördlich von Hochdorf–Schweinhausen einen vierstreifigen Ausbau der B 30 im vordringlichen Bedarf vor. Das Land hat die Planung dennoch bis heute nicht aufgenommen. Für den südlichen Streckenabschnitt mit den beiden Brückenbauwerken sei nach dem aktuellen Bedarfsplan auch kein Ausbau vorgesehen. Daher werden die Ersatzneubauten der beiden Brückenbauwerke mit zwei Fahrstreifen geplant. Tatsächlich findet sich im Bedarfsplan dazu keine Aussage.


Ersatzneubau nur nach Landesstandard
„Überall dort, wo das Verkehrsministerium bei Baumaßnahmen von der Norm abweicht, besteht die Gefahr, dass dies zum neuen Standard wird. Das will das Land vermeiden“, erklärt Dörflinger. „Unser Ziel ist es den Entscheidern zu verdeutlichen, dass die Situation in Hochdorf eine ganz besondere ist und vom Standard abweicht.“ Wenn der Amtschef des Verkehrsministeriums Anfang Mai komme, werde man die Strecke gemeinsam abfahren. „Im direkten Gespräch und vor Ort wird es viel einfacher sein aufzuzeigen, welche Konsequenzen der mehrjährige Umleitungsverkehr haben würde“, so Dörflinger. Wenn der Amtschef für die Sache gewonnen werde, sei man einen großen Schritt weiter.


  0 Kommentare

Kommentar schreiben

Abbildung
(Stuttgart) - Das Landesverkehrsministerium hat das Sanierungsprogramm 2025 vorgestellt. Rund 425 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln fließen in laufende und neue Erhaltungsmaßnahmen. Schwerpunkt ist die Instand...
Abbildung
(Hochdorf) - Trotz Kritik setzt das baden-württembergische Verkehrsministerium auf eine Vollsperrung der B 30 für den Neubau von zwei Großbrücken bei Hochdorf. Entgegen Bedenken von Anwohnern und der Industrie wird ein...
Abbildung
(Tübingen) - Tübingens Regierungspräsident Klaus Tappeser hat sich in eine schwierige Lage manövriert: Er betont, dass seine Behörde ein neues Biosphärengebiet in Oberschwaben neutral prüfen müsse, wirbt jedoch gle...
Abbildung
(Tübingen) - Das Regierungspräsidium Tübingen ist für über 1.600 Brücken im Zuge von Bundes- und Landesstraßen im Regierungsbezirk Tübingen zuständig. An neun Brücken an Bundes- und Landesstraßen im Regierungsbe...
Abbildung
(Ravensburg) - Das Regierungspräsidium Tübingen lässt seit Montag, 10. Juni 2024 die Brücke über die Schussen im Zuge des Anschlussastes zur B 30 an der Anschlussstelle Ravensburg-Nord sanieren. Die Brückeninstandset...
Abbildung
(Stuttgart) - Das Land Baden-Württemberg hat eine Sammelausschreibung für den Ersatz von 31 sanierungsbedürftigen Brücken an Bundesstraßen gestartet. Dies soll die Planungsarbeiten beschleunigen. Viele Brücken im Lan...