25.11.2021 - 19:21 Uhr
Franz Fischer
Nr. 7566
454

BUND empört über Koalitionsvertrag

Abbildung

(Berlin) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist unzufrieden mit dem am Mittwoch vorgestellten Koalitionsvertrag: Deutschland müsse alles dafür tun, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen und das Artensterben zu stoppen.

„In dem 177 Seiten langen Vertrag werden ganz viele Türen einen Spalt breit geöffnet. Unklar ist jedoch, was sich dahinter verbirgt“, so Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender. Einerseits liefere der Text wichtige Impulse für Klimapolitik und Naturschutz. Andererseits wirke der Vertrag an vielen Stellen wie ein Blumenstrauß an Zugeständnissen. Ein umweltpolitisches, klimagerechtes Leitbild bleibe der Koalitionsvertrag schuldig. Die umweltpolitischen Projekte stünden auf finanzpolitisch wackeligen Beinen.

Der BUND kritisiert fehlende „jährliche Ausbaupfade“ für Onshore und Solar. Der Offshore-Ausbau sei naturverträglich nicht umsetzbar. Eine systemische Einsparung von Energie fehle. Die angestrebte Klimaneutralität bis 2045 sei für 1,5 Grad zu spät. Eine herbe Enttäuschung seien mit Blick auf die angestrebte Klimaneutralität die Vereinbarungen zum Verkehrssektor, zu Wasserstoff und zum Abbau umweltschädlicher Subventionen.

Insbesondere das von der Handschrift der FDP geprägte Vertragskapitel Verkehr bleibe weit hinter den Erwartungen zurück. So gelinge die Mobilitätswende nicht. ÖPNV, Bahn, Fuß- und Radverkehr müssten im Fokus stehen. E-Autos müssten klein, leicht und sparsam sein, energie- und ressourceneffizient bei Herstellung, Betrieb und Recycling der eingesetzten Rohstoffe, fordert der BUND. Auch E-Autos dürften nicht mehr im Zentrum von Mobilität stehen. Es brauche weniger Autos. Der angekündigte Dialogprozess zum Fernstraßenbau müsse jetzt schnell handlungsfähig werden. Bis dahin laufende Projekte müssten gestoppt werden.

Erfreut zeigt sich der BUND bei der Agrarpolitik: Umbau der Tierhaltung und Glyphosat-Ausstieg Ende 2023 seien zu begrüßen. Die Pestizidreduktion bleibe aber „schwammig“. An konsequenten Maßnahmen, um die Treiber für die Naturzerstörung abzustellen, mangele es.

Sorge bereiten dem BUND die Äußerungen zur Planungsbeschleunigung. Eine Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren für Maßnahmen, die der BUND sich wünscht wird begrüßt, eine Beschleunigung für Maßnahmen, die der BUND kritisiert, abgelehnt.


  0 Kommentare

Kommentar schreiben

Abbildung
(Stuttgart) - Das Landesverkehrsministerium hat das Sanierungsprogramm 2025 vorgestellt. Rund 425 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln fließen in laufende und neue Erhaltungsmaßnahmen. Schwerpunkt ist die Instand...
Abbildung
(Berlin) - Der Bundesrat hat am Freitag mit Zweidrittelmehrheit eine Grundgesetzänderung verabschiedet, die den Weg für ein 500 Milliarden Euro schweres Infrastrukturpaket ebnet. Bund und Länder befürworten ein Sonderv...
Abbildung
(Region) - Die „Initiative B30“ hat eine Sonderausgabe ihrer Zeitung „B30 Insider“ anlässlich der Bundestagswahl 2025 veröffentlicht. Die Bürgerinitiative befragte Wahlkreiskandidaten der Wahlkreise Biberach und...
Abbildung
(Bad Waldsee) - Die „Initiative B30“ widmet sich jährlich der detaillierten Analyse der Verkehrsmeldungen der Bundesstraße 30, um eine umfassende Stauauswertung zu erstellen. Vom letzten Jahr liegen rund 60.000 Verke...
Abbildung
(Berlin) - Der Bund der Steuerzahler hat sein 52. Schwarzbuch vorgestellt. Es dokumentiert zahlreiche Fälle von Steuergeldverschwendung in Deutschland, auch im Verkehrsbereich. Ein Sonderkapitel widmet sich der ausufernde...
Abbildung
(Berlin) - Wenn es nach der Auffassung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) geht, soll die Bundesregierung kein Geld mehr für Bundesstraßen und Autobahnen in Deutschland ausgeben. Neu- und Ausbauprojek...